Das Internet im Wandel

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich auf der re:publica am 1. Abend – wie üblich – im großen Saal saß und den Ausführungen eines gewissen Sascha Lobo zuhörte, der zum Ende seines Monologs „Zur digitalen Lage der Nation“ davon sprach, dass wir uns das Internet wieder zurückholen müssten, indem wir unsere Inhalte auf von uns kontrollierten System ablegen sollten.

Er schlug damals vor, dass wir als Symbol / Zeichen (#) verwenden sollten, um unsere Heimat im Internet zu beschreiben.

Genau derselbe Sascha Lobo, inzwischen Kolumnist bei Spiegel Online »Die Mensch-Maschine« (seit Januar 2011), nennt dann alle „Nerds“, die das „Fediversum“ für sich als Internet-Lebensraum entdeckt haben, und sich darin häuslich einzurichten versuchen.

Das vorgeschlagene Unicode-Symbol für das Fediversum ist nun:

Das Problem, welches Sascha Lobo hat: Die verschiedenen Dienste des Fediversums können nicht evaluiert und vermessen werden. Reichenweitenmessungen wie bei X/Twitter, Meta, Instagram und Co. sind darin nur bedingt möglich, denn Menschen und Beiträge werden darin nicht getrackt – es sind Gegenmodelle zu den hauptsächlich von amerikanischen Firmen dominierten Datensilos, die so viel über Ihre Nutzer:innen wissen, weil sie diese auf Schritt und Tritt überwachen; selbst bei Akvititäten, die außerhalb ihrer Einflußsphäre stattfinden.

Einfach von X/Twitter zu einer anderen Platform wechseln: Eigentlich nicht möglich, denn zum einen kommt man nur sehr schwer an seine eigenen Daten ran, und selbst wenn es eine Export-Funktion gibt, so kann man sich weder sicher sein, dass im zur Verfügung gestellten Archiv alle Inhalte enthalten sind, noch dass man in der Lage ist, alle eigenen Inhalte beim Dienst zu löschen.

Wer dies beim Weggang von X/Twitter bei der ersten großen Abwanderungswelle versucht hat, wird ein langes und lautes Klagelied davon singen können.

Hat man aber seine Daten, so kann man diese nicht einfach in einem anderen System importieren, denn auch hierfür gibt es kein entsprechende Möglichkeit – und sei es nur als Archiv – die Daten wieder im Original darstellen zu können.

Wer also eines der Ökosystem der sog. TechBros verlässt, trennt sich auch selbst von allen Nutzer:innen dieses Systems – denn die meisten Nutzer:innen der [Un-]Sozialen Medien sind träge und wollen sich nicht umgewöhnen … zudem sind sie vermutlich schon zu sehr von dem System „angefixt“, als dass sie auf den täglichen Kick verzichten möchten.

Wer also wechselt erlebt etwas Ähnliches wie ein Süchtiger, der einen kalten / harten Entzug macht: man wird nicht mehr vom Dopamin belohnt, wenn man wieder sein [Un-]Soziales Medium verwendet hat, und einem dabei wieder kostbare Zeit gestohlen wird, die man für vielen schöne andere Dinge hätte nutzen können. Ganz so, wie es im Buch »Momo« mit den Zeit-Dieben beschrieben wird …